Braucht Deutschland wirklich noch eine Akademie?
Warum AKE | SKABE die AKE Akademie gegründet hat – ein Interview mit den Geschäftsführern Manuel Grubenbecher und Friedrich Haas
Jeden Tag treffen Unternehmen Entscheidungen über Investitionen, Geschäftsreisen oder den Eintritt in neue Märkte. Gleichzeitig verändern geopolitische Spannungen, internationale Krisen, hybride Bedrohungen und zunehmende Sicherheitsrisiken die Rahmenbedingungen schneller als je zuvor.
Dennoch orientieren sich viele Weiterbildungsangebote noch immer an einer Welt, die es so nicht mehr gibt. Warum AKE | SKABE deshalb die AKE Akademie gegründet hat und welchen Anspruch sie verfolgt, erläutern die Geschäftsführer Manuel Grubenbecher und Friedrich Haas im Gespräch.

Herr Grubenbecher, braucht Deutschland wirklich noch eine Akademie?
Manuel Grubenbecher: Eigentlich nicht. Was Deutschland aber dringend braucht, ist eine professionelle Weiterbildung in den Bereichen Geopolitik, Global-Risk-Management, Reisesicherheit, OSINT und Unternehmenssicherheit.
Wir erleben seit Jahren, dass Unternehmen mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert werden. Geopolitische Konflikte beeinflussen Lieferketten, Investitionen und Märkte. Mitarbeitende reisen in Regionen mit erhöhten Sicherheitsrisiken. Informationen müssen in immer kürzerer Zeit bewertet werden. Gleichzeitig beobachten wir, dass viele Weiterbildungsangebote entweder sehr theoretisch sind oder fast ausschließlich auf persönlichen Erfahrungen beruhen.
Uns hat ein Angebot gefehlt, das wissenschaftliche Erkenntnisse, methodisches Arbeiten und internationale Praxiserfahrung konsequent miteinander verbindet. Genau daraus ist die Idee zur AKE Akademie entstanden.
Herr Haas, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit Reisesicherheit und HEAT-Trainings. Haben Sie dieselbe Entwicklung beobachtet?
Friedrich Haas: Ja, absolut. Viele Unternehmen verbinden Reisesicherheit noch immer mit einem Länderbericht oder einer kurzen Sicherheitseinweisung vor der Abreise. Die Realität sieht heute aber ganz anders aus. Mitarbeitende werden in politisch instabile Regionen entsendet, bewegen sich in Ländern mit hoher Kriminalität oder arbeiten unter schwierigen Rahmenbedingungen. Dort entscheidet häufig nicht die Sicherheitslage allein über den Ausgang einer Situation, sondern das Verhalten der Menschen. Genau darauf bereiten wir sie vor.
Was bedeutet das konkret?
Friedrich Haas: Sicherheit ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. In unseren HEAT-Trainings – also Hostile Environment Awareness Trainings – vermitteln wir nicht nur theoretisches Wissen. Die Teilnehmenden erleben realistische Szenarien, müssen Entscheidungen treffen und lernen, auch unter Stress ruhig und handlungsfähig zu bleiben.
Darüber hinaus entwickeln wir spezielle Trainings für Frauen und Familien. Eine allein reisende Projektleiterin hat andere Anforderungen als eine Familie, die für mehrere Jahre ins Ausland zieht. Diese Unterschiede müssen sich auch in der Ausbildung widerspiegeln.
Wichtig ist: Unser Ziel ist nicht, Menschen Angst zu machen. Unser Ziel ist, ihnen Sicherheit zu geben. Auf der strategischen Ebene braucht es hierzu belastbare Prozesse. Letztendlich ist dies eine rechtliche Frage: Komme ich als Arbeitgeber meinen Fürsorgepflichten nach? Habe ich klare Verantwortlichkeiten im Unternehmen, und sind diese Personen auch befähigt, zum Beispiel ein Reisesicherheitskonzept zu schreiben? Hier setzt unser spezifischer Zertifikatslehrgang Travel-Risk-Manager/-in an.
Herr Grubenbecher, Sie haben Geopolitik und Global-Risk-Management angesprochen. Warum gewinnen diese Themen gerade jetzt so stark an Bedeutung?
Manuel Grubenbecher: Weil Unternehmen heute in einer Welt agieren, die deutlich komplexer geworden ist. Früher wurden Risiken häufig getrennt betrachtet – Politik, Wirtschaft, Sicherheit oder Compliance. Heute beeinflusst sich alles gegenseitig: Eine Präsidentenwahl kann Lieferketten verändern. Sanktionen und Zölle können Geschäftsmodelle infrage stellen. Ein regionaler Konflikt wie im Iran kann Auswirkungen auf Energiepreise, Logistik oder Cyberbedrohungen haben.
Wer diese Zusammenhänge nicht versteht, wird künftig Schwierigkeiten haben, gute Entscheidungen zu treffen. Im Prinzip sind dies Fragen des Risikomanagements. In vielen Unternehmen gibt es hierzu bereits Prozesse und Strukturen. Aber spezifische Fragen der geopolitischen Herausforderungen sind nicht hinreichend abgedeckt. Das fängt bei der Bewertung von internationalen Konflikten an, geht über die Fragen der Informationsgewinnung und reicht bis zur sauberen Integration in teils schon bestehende Prozesse. Wie Friedrich Haas zum Thema Travel Risk bemerkt hat, gilt auch hier: Wer soll das machen? Wer hat das notwendige Know-how, was über bloßes politisches Interesse hinausgeht?
Was ist Ihre Lösung?
Manuel Grubenbecher: Wir wollen diesen Bereich professionalisieren. Natürlich gibt es jetzt auch schon hervorragende Leute, die einen tollen Job machen. Aber es fängt schon bei der Frage an, wie wir die Position benennen. Was sind die Kriterien oder das Wissen, das Verantwortliche mitbringen müssen? Wir haben hierzu den Zertifikatslehrgang zum Global-Risk-Manager entwickelt, um erstmals dieser Tätigkeit eine fundierte Grundlage zu geben.
Welche Rolle spielt dabei OSINT?
Manuel Grubenbecher: Eine sehr große. Viele denken bei OSINT an eine Internetrecherche. Tatsächlich geht es um deutlich mehr. OSINT bedeutet, Informationen aus offenen Quellen systematisch zu beschaffen, zu bewerten, zu verifizieren und daraus belastbare Entscheidungsgrundlagen abzuleiten. Gerade in Zeiten von Desinformation, Social Media und künstlicher Intelligenz wird diese Fähigkeit immer wichtiger.
Deshalb vermitteln wir unseren Teilnehmenden keine Suchmaschinen-Tricks, sondern eine professionelle Methodik. Es handelt sich hier auch nicht nur um eine nachrichtendienstliche Frage. Das Angebot richtet sich auch an Journalistinnen und Journalisten, Finanzfachleute und alle anderen, deren Tätigkeit auf Gewinnung von Informationen beruhen oder die sichergehen müssen, dass ihre Informationen richtig sind. In der heutigen Zeit werden wir mit Unmengen an Informationen konfrontiert. Die richtigen und verifizierten Informationen machen den Unterschied. Das sind Fähigkeiten, die in vielen Bereichen und Berufen grundlegend sind.
Die Akademie verbindet sehr unterschiedliche Themen: von Geopolitik über Reisesicherheit bis hin zu praktischen Trainings. Warum?
Manuel Grubenbecher: Weil Unternehmen Sicherheit ganzheitlich betrachten müssen. Geopolitik endet nicht mit einer Länderanalyse. Sie beeinflusst Geschäftsreisen, den Schutz von Mitarbeitenden, Investitionsentscheidungen, Krisenmanagement und Unternehmenssicherheit.
Friedrich Haas: Und umgekehrt gilt das genauso. Die beste Risikoanalyse nützt wenig, wenn Mitarbeitende in einer kritischen Situation nicht wissen, wie sie handeln sollen. Strategisches Denken und praktische Handlungskompetenz gehören deshalb untrennbar zusammen. Genau diese Verbindung bildet die AKE Akademie ab.
Welchen Stellenwert hat dabei die Wissenschaft?
Manuel Grubenbecher: Einen sehr hohen. Wir wollten bewusst keine Akademie schaffen, die ausschließlich von Erfahrungsberichten lebt. Unsere Inhalte sollen wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig unmittelbar anwendbar sein. Deshalb freuen wir uns besonders, dass Prof. Dr. Carlo Masala die Schirmherrschaft der AKE Akademie übernommen hat. Als Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München und Leiter des Center for Intelligence and Security Studies bringt er genau die wissenschaftliche Perspektive ein, die unseren Praxisansatz sinnvoll ergänzt.
An wen richtet sich die AKE Akademie?
Friedrich Haas: Unsere Seminare richten sich an Fach- und Führungskräfte, Sicherheits- und Personalverantwortliche sowie Organisationen, die ihre Mitarbeitenden gezielt weiterentwickeln möchten. Der Bedarf an nachweisbarer fundierter Qualifikation ist hoch. Die Zeiten des „Wilden Westens“ sind vorbei – „Wir probieren einfach mal“ funktioniert nicht mehr.
Manuel Grubenbecher: Uns war aber genauso wichtig, Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger anzusprechen. Viele möchten sich bereits während des Studiums oder unmittelbar danach Kompetenzen in Geopolitik, Risiko- und Krisenmanagement oder Unternehmenssicherheit aufbauen.
Diese Themen werden künftig in vielen Berufen eine deutlich größere Rolle spielen als heute. Wir möchten diesen Interessierten die Möglichkeit geben, ihre Leidenschaft für Politik und internationale Themen zu einem Beruf zu machen. Sie können nach einem Seminar sagen: „Mein Beruf ist Global-Risk-Manager oder Travel-Risk-Managerin. Außerdem bieten wir allen Absolventen die Möglichkeit der Mitgliedschaft im AKE Alumni-Netzwerk. Je mehr Kontakte und Netzwerk, desto erfolgreicher kann ich in diesem spannenden Berufsfeld sein.
Was soll jemand nach einem Seminar der AKE Akademie können, was er vorher nicht konnte?
Friedrich Haas: Er soll Risiken früher erkennen, Situationen besser einschätzen und auch unter Druck handlungsfähig bleiben. Ob auf einer Geschäftsreise, bei einem Auslandseinsatz oder in einer Krisensituation – Sicherheit entsteht durch Vorbereitung, Übung und Erfahrung. Genau das trainieren wir.
Manuel Grubenbecher: Ich wünsche mir, dass unsere Teilnehmenden Zusammenhänge erkennen, anstatt nur Einzelinformationen zu sammeln. Wer geopolitische Entwicklungen versteht, Informationen professionell bewertet und Risiken systematisch analysiert, trifft bessere Entscheidungen – für sich selbst, für sein Unternehmen und für seine Mitarbeitenden.
Unser Ziel ist nicht, Wissen zu vermitteln, das nach einem Seminar wieder vergessen wird. Wir möchten Kompetenzen entwickeln, die langfristig Orientierung geben und Menschen in einer komplexen Welt handlungsfähig machen.
Zum Abschluss: Was ist Ihre Vision für die AKE Akademie?
Friedrich Haas: Ich wünsche mir, dass professionelle Sicherheitsweiterbildung für Unternehmen irgendwann genauso selbstverständlich wird wie technische oder kaufmännische Fortbildung. Denn Sicherheit ist heute kein Spezialthema mehr. Sie ist Teil unternehmerischer Verantwortung.
Manuel Grubenbecher: Wir möchten einen neuen Qualitätsmaßstab setzen. Nicht durch möglichst viele Seminare, sondern durch Inhalte, die wissenschaftlich fundiert, praxisnah und unmittelbar anwendbar sind. Wenn unsere Teilnehmenden nach einem Seminar bessere Entscheidungen treffen, Risiken realistischer einschätzen und sicherer handeln können, dann haben wir unser Ziel erreicht.


