Krank auf Geschäftsreise: Wenn Hygiene zum Geschäftsrisiko wird
Auf Geschäftsreisen können auch vermeintlich banale Erkrankungen wichtige Termine gefährden. Aktuelle Zahlen zeigen, wie häufig gerade Magen-Darm-Erkrankungen Reisende treffen. Für Unternehmen gehören Hygiene, Lebensmittel- und Trinkwassersicherheit sowie die medizinische Versorgung vor Ort deshalb zur professionellen Reisevorbereitung, wie Reisesicherheitsexperte Friedrich Haas zeigt.

Friedrich Haas ist Experte für Reise- und Auslandssicherheit sowie Krisenmanagement. Bei AKE | SKABE ist er spezialisiert auf Sicherheitskonzepte, insbesondere für Geschäftsreisen und Standorte, und er berät Unternehmen in Krisensituationen.

Der Termin steht. Der Kunde wartet. Und Sie sitzen auf der Toilette.
Bei Risiken auf Geschäftsreisen denken viele zunächst an politische Unruhen, Kriminalität, Naturkatastrophen oder eine schwierige Sicherheitslage. Doch manchmal reichen ein Abendessen, verunreinigtes Wasser oder mangelnde Hygiene, um eine sorgfältig geplante Reise empfindlich zu stören.
Das ist keineswegs ein exotisches Szenario. Laut CDC Yellow Book 2026 erkranken je nach Reiseziel und Reisezeit innerhalb eines zweiwöchigen Aufenthalts 30 bis 70 Prozent der Reisenden an Reisediarrhö. Das CDC bezeichnet sie als die am besten vorhersehbare reisebedingte Erkrankung.
Für Unternehmen kann aus einem medizinisch meist überschaubaren Problem schnell ein geschäftliches werden. Denn was passiert, wenn ausgerechnet die Person ausfällt, die am nächsten Morgen präsentieren, verhandeln oder einen wichtigen Geschäftstermin wahrnehmen soll?
Geschäftsreisen: Wenn Kleinigkeiten große Folgen haben
Eine internationale Geschäftsreise beginnt häufig lange vor dem Abflug. Termine werden koordiniert, Gesprächspartner eingeladen, Präsentationen vorbereitet, Flüge und Hotels gebucht. Gerade bei Reisen in anspruchsvollere Märkte kommen Risikoanalysen, Sicherheitskonzepte und organisatorische Vorkehrungen hinzu.
Doch die Arbeitsfähigkeit vor Ort hängt auch von wesentlich alltäglicheren Dingen ab: Durchfall, Erbrechen oder eine Lebensmittelvergiftung können dazu führen, dass ein Geschäftstermin kurzfristig abgesagt werden muss. Eine stärkere Erkrankung kann eine medizinische Behandlung erforderlich machen oder die vorzeitige Rückreise notwendig werden lassen.
Gerade bei kurzen Geschäftsreisen gibt es häufig wenig Spielraum. Ein ausgefallener Termin lässt sich nicht unbedingt am nächsten Tag nachholen. Vielleicht reist der Gesprächspartner weiter, die Messe endet oder der Rückflug ist bereits gebucht. Damit wird Gesundheit zu einem Faktor für den Erfolg einer Geschäftsreise.
Reisediarrhö: 30 bis 70 Prozent Erkrankungsrisiko
Wie relevant gerade Magen-Darm-Erkrankungen auf Reisen sind, zeigen aktuelle Daten.
Das CDC Yellow Book 2026 beziffert die Erkrankungsrate für Reisediarrhö auf 30 bis 70 Prozent während eines zweiwöchigen Aufenthalts, abhängig von Reiseziel und Reisezeit. Als wesentliche Ursachen nennt das CDC unter anderem mangelnde Hygiene in Restaurants sowie Defizite bei der Hygiene- und Sanitärinfrastruktur.
Auch eine 2023 veröffentlichte Auswertung des internationalen GeoSentinel-Netzwerks unterstreicht die Bedeutung gastrointestinaler Erkrankungen. Von 11.987 Diagnosen bei erkrankten internationalen Reisenden entfielen 43,2 Prozent auf den Magen-Darm-Bereich. Akute Diarrhö war mit 16,9 Prozent die häufigste einzelne Diagnose. Untersucht wurden nur Reisende, die nach ihrer Rückkehr medizinische Hilfe an einem US-amerikanischen GeoSentinel-Standort in Anspruch nahmen. Die Zahlen beschreiben also nicht den tatsächlichen Anteil aller Reisenden, die erkranken. Geschäftsreisen machten in den beiden untersuchten Zeiträumen 13,4 beziehungsweise 12,3 Prozent der Reisen aus.
Wenn Durchfall den Geschäftstermin verhindert
Für Unternehmen ist dabei nicht allein entscheidend, ob eine Erkrankung medizinisch als schwerwiegend gilt. Entscheidend ist auch, ob der Reisende noch arbeitsfähig ist.
Genau diese Konsequenz berücksichtigt inzwischen selbst die medizinische Definition des CDC. Eine moderate Reisediarrhö liegt demnach vor, wenn die Erkrankung belastend ist oder geplante Aktivitäten beeinträchtigt. Als schwer gilt sie unter anderem dann, wenn sie den Betroffenen handlungsunfähig macht oder geplante Aktivitäten vollständig verhindert.
Übertragen auf eine Geschäftsreise heißt das: Ein Kundentermin, eine Präsentation, eine Verhandlung oder ein Messebesuch kann ausfallen. Je wichtiger die reisende Person für einen Termin ist, desto größer wird das organisatorische Risiko. Das betrifft Geschäftsführungen und Vorstände ebenso wie spezialisierte Fachkräfte, Vertriebsverantwortliche, Techniker oder Projektleitungen, die vor Ort nicht ohne Weiteres ersetzt werden können.
Geschäftsreisende sind keine Ausnahme
Dass das Thema speziell für Geschäftsreisen relevant ist, zeigt auch eine GeoSentinel-Untersuchung von 12.203 erkrankten Geschäftsreisenden, die nach internationalen Reisen zwischen 1997 und 2014 medizinisch untersucht wurden.
Zu den häufigsten Diagnosen gehörten neben Malaria und viralen Erkrankungen verschiedene Formen von Durchfallerkrankungen. Auffällig ist auch ein anderer Befund: Weniger als die Hälfte der erkrankten Geschäftsreisenden, 45 Prozent, hatte vor der Reise eine reisemedizinische Beratung in Anspruch genommen. Die Untersuchung ist inzwischen älter. Sie gehört jedoch weiterhin zu den großen spezifischen Auswertungen gesundheitlicher Probleme internationaler Geschäftsreisender und wird auch im aktuellen CDC Yellow Book zum Thema Business Travel berücksichtigt.
Hotelhygiene: Sicherheit beginnt im Alltag
Wie praktisch Travel Risk Management sein kann, zeigt sich bereits bei der Auswahl einer geeigneten Unterkunft. Ein aktuelles Beispiel ist Syrien. Rund um die Damascus International Fair stellt sich auch die Frage, welche Hotels für deutsche Geschäftsreisende geeignet sind. Gerade abseits der großen internationalen Ketten lohnt sich dabei ein genauer Blick. Denn für die Auswahl einer Unterkunft zählt nicht allein Security im engeren Sinne. Hygiene, Brandschutz, Fluchtwege, Erste Hilfe und die allgemeinen Sicherheitsstandards gehören ebenso dazu.
Das gilt auch für den Alltag außerhalb des Hotels: Wie sind die hygienischen Bedingungen? Was ist beim Essen und Trinkwasser zu beachten? Wo ist medizinische Hilfe erreichbar? Wie gelangt ein Reisender im Ernstfall dorthin? Und wer kann vor Ort unterstützen?
Gerade in Märkten mit herausfordernden Rahmenbedingungen sind solche Informationen Teil einer professionellen Reisevorbereitung. Schließlich hilft die beste Analyse der geopolitischen Lage wenig, wenn eine vermeidbare Magen-Darm-Erkrankung den entscheidenden Geschäftstermin verhindert.
Das Desinfektionsmittel im Hotelzimmer mag daneben zunächst wie eine Kleinigkeit wirken. Für den Erfolg einer Geschäftsreise kann genau diese Alltagsebene entscheidend sein.
Hygiene lässt sich nicht vollständig selbst kontrollieren
Zur Prävention empfiehlt das CDC unter anderem eine sorgfältige Auswahl von Speisen und Getränken sowie regelmäßiges Händewaschen. Ist das nicht möglich, kann Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol helfen. Die Behörde weist allerdings auch auf die Grenzen individueller Vorsicht hin. Einige entscheidende Faktoren liegen außerhalb des Einflussbereichs des Reisenden. Dazu gehört insbesondere die Hygiene in Restaurants.
Mangelnder Zugang zu sauberem Trinkwasser, eine unzureichende Kühlung von Lebensmitteln oder hygienische Defizite bei der Zubereitung können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Für Unternehmen bedeutet das: Hinweise wie „Vorsicht beim Essen“ allein reichen für eine professionelle Reisevorbereitung gerade bei anspruchsvolleren Destinationen nicht aus.
Gesundheit gehört bei AKE | SKABE zum Travel-Risk-Management
Professionelles Travel-Risk-Management betrachtet deshalb die Reise als Ganzes. Dazu gehören geopolitische und sicherheitsrelevante Risiken ebenso wie medizinische Versorgung, Unterkunft, Mobilität und die praktischen Bedingungen vor Ort.
Je nach Destination können reisemedizinische Beratung, Impfungen, Informationen zu Lebensmitteln und Trinkwasser, eine geeignete Reiseapotheke sowie Kenntnisse über die medizinische Versorgung vor Ort dazugehören.
Hinzu kommt die organisatorische Vorbereitung im Unternehmen:
- Was passiert, wenn die entscheidende Person kurzfristig ausfällt?
- Gibt es eine Vertretung?
- Kann ein Termin verschoben werden?
- Weiß der Reisende, wo er medizinische Hilfe bekommt?
- Gibt es einen Ansprechpartner, der im Notfall unterstützt?
- Und ist geklärt, wie bei einer schwereren Erkrankung weiter vorgegangen wird?
Gerade bei Reisen in Länder mit herausfordernden Rahmenbedingungen können solche Fragen entscheidend sein.
Reisesicherheit: Wissen, bevor etwas passiert
Genau solche Informationen fließen bei AKE | SKABE in Beratung und Reisebriefings ein. Dazu gehören Länderinformationen und Risikoanalysen ebenso wie Empfehlungen zu geeigneten Unterkünften, medizinischer Versorgung und zum Verhalten vor Ort.
Mit unseren Reisesicherheitskonzepten unterstützen wir Unternehmen dabei, Geschäftsreisen ganzheitlich vorzubereiten, Risiken frühzeitig zu erkennen und ihre Mitarbeitenden auch im Notfall handlungsfähig zu halten.
Denn nicht jedes Risiko kündigt sich mit einer Reisewarnung an. Manchmal beginnt es beim Abendessen.


