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Interview

„Wer zur FIFA WM 2026 reist, sollte nicht nur an Tickets denken, sondern an Mobilität, Orientierung und digitale Sicherheit.“ Interview mit Friedrich Haas

Die FIFA WM 2026 wird in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen und zählt zu den größten Sportereignissen der kommenden Jahre. Für reisende Fußballfans bedeutet das: große Emotionen, lange Wege, volle Städte und eine Sicherheitslage, die sich je nach Gastgeberland und Spielort deutlich unterscheiden kann.

Im Interview erklärt Friedrich Haas, Travel-Risk-Experte bei AKE | SKABE, warum die größte Herausforderung nicht nur im Stadion liegt. Entscheidend sind vor allem die Wege dorthin und zurück: Flughäfen, Bahnhöfe, Fan-Zonen, Public Viewings, Hotels, Ausgehviertel, Rideshare-Punkte und digitale Buchungs- und Ticketplattformen.

Portrait
Friedrich Haas
Geschäftsführender Gesellschafter

Friedrich Haas ist Experte für Reise- und Auslandssicherheit sowie Krisenmanagement. Bei AKE | SKABE ist er spezialisiert auf Sicherheitskonzepte, insbesondere für Geschäftsreisen und Standorte, und er berät Unternehmen in Krisensituationen.

„Wer zur FIFA WM 2026 reist, sollte nicht nur an Tickets denken, sondern an Mobilität, Orientierung und digitale Sicherheit.“ Interview mit Friedrich Haas

Herr Haas, warum ist die FIFA WM 2026 aus Sicht der Reisesicherheit ein besonderes Ereignis?

Die WM 2026 ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Sie findet in drei Ländern statt, in 16 Städten, mit sehr unterschiedlichen Sicherheitslagen, Verkehrssystemen, Polizeistrukturen und lokalen Risiken. Für Fans ist das zunächst ein riesiges Sportfest. Aus Travel-Risk-Sicht ist es aber auch ein hochkomplexes Reise- und Massenevent.

Viele Menschen denken bei Sicherheit zuerst an das Stadion. Das ist verständlich, greift aber zu kurz. Die offiziellen Spielstätten werden sehr stark geschützt sein. Die eigentlichen Risiken entstehen häufig außerhalb dieser kontrollierten Bereiche: auf dem Weg zum Stadion, in Fan-Zonen, an Bahnhöfen, an Rideshare-Punkten, in Hotels, Ausgehvierteln oder bei großen Public Viewings, sprich im öffentlichen Raum.

Welche Sicherheitsrisiken drohen Fußballfans bei der FIFA WM 2026 konkret?

Für die meisten Fans werden die wahrscheinlichsten Probleme nicht spektakulär sein, sondern sehr praktischer Natur: Taschendiebstahl, Handyraub, Ticketbetrug, Fake-Shops, überfüllte Verkehrsmittel, lange Wartezeiten, falsche Informationen, aggressive Situationen in Ausgehvierteln oder Probleme nach dem Spiel, wenn viele Menschen gleichzeitig abreisen wollen.

Dazu kommen je nach Stadt und Land unterschiedliche Lagebilder. In Mexiko spielen organisierte Kriminalität, Raub, Erpressung oder Entführungsrisiken eine größere Rolle. In den USA und Kanada stehen für Fans eher Diebstahl, Betrug, überfüllte urbane Räume, politische Proteste, Cyberbetrug und Risiken an sogenannten Soft Targets im Vordergrund. Entscheidend ist: Die Risikolage ist nicht überall gleich. Wer mehrere Spiele in unterschiedlichen Städten besucht, sollte jede Station einzeln betrachten.

Sind Stadien bei der WM 2026 gefährlicher als Fan-Zonen oder Public Viewings?

In vielen Fällen ist eher das Gegenteil der Fall. Stadien sind stark kontrollierte Räume. Dort gibt es Zugangskontrollen, Sicherheitskräfte, Polizeipräsenz, Kameras, klare Fluchtwege und abgestimmte Einsatzkonzepte.

Im öffentlichen Raum, wie es Fan-Zonen und Public Viewings, aber auch Verkehrsmittel sind, ist die Sicherheitslage dynamischer und unübersichtlicher und der Zugang schwerer bis gar nicht zu kontrollieren. Entsprechend bewegen sich Fans, Touristen, Dienstleister, Kriminelle und Sicherheitskräfte nebeneinander. Genau diese Mischung macht den öffentlichen Raum anfälliger für Taschendiebstahl, Panikreaktionen, Gedränge, Konflikte oder Desinformation.

Der Guardian nennt noch einen weiteren Aspekt: Schon jetzt wird vermutet, dass ICE unter den Fans nach illegalen Einwanderern suchen wird, wogegen Aktivisten bereits Widerstand angekündigt haben.

Darauf sollten sich Reisende einstellen. Sarah Adams, ehemalige CIA-Agentin und Sicherheitsberaterin, bringt es in ihrem Safety Guide sinngemäß auf den Punkt: Vorbereitung ist keine Angst, sondern Voraussetzung dafür, sich in solchen Umgebungen ruhiger und sicherer zu bewegen.

Warum spielt Mobilität bei der Reisesicherheit zur FIFA WM 2026 eine so große Rolle?

Mobilität ist einer der wichtigsten Sicherheitsfaktoren überhaupt. Die zentrale Frage lautet: Kann ich mich bewegen, wenn sich die Lage verändert? Kann ich einen Bereich verlassen? Kenne ich Alternativrouten? Habe ich einen Plan, wenn mein Handy nicht funktioniert oder der öffentliche Verkehr überlastet ist?

Viele gefährliche Situationen entstehen nicht durch einen Anschlag, sondern durch Druck in unübersichtlichen Menschenmengen, Orientierungslosigkeit, plötzliche Bewegungen, ausgefallene Verkehrsmittel oder Engstellen. Wer in einer vollen Fan-Zone steht und nicht weiß, wo die Ausgänge sind, ist abhängig von der Bewegung der Masse. Wer vorher weiß, wo er rauskommt, wo Treffpunkte liegen und welche Alternativroute möglich ist, behält die Kontrolle und kann sich entsprechend positionieren.

Was sollten Fußballfans bei Menschenmengen und Gedränge beachten?

Fans sollten sich vor allem nicht in Engstellen festsetzen lassen. Kritisch sind Zäune, Absperrungen, Tunnel, Treppen, Rolltreppen, Bahnsteige, schmale Ausgänge und Bereiche, in denen Menschen aus verschiedenen Richtungen zusammenlaufen.

Ein einfaches Warnsignal ist: Kann ich meine Arme noch frei bewegen? Wenn nicht, ist die Dichte bereits zu hoch. Dann sollte man versuchen, kontrolliert an den Rand der Menge zu kommen. Nicht gegen den Strom drücken, sondern eher diagonal ausweichen. Und ganz wichtig: nicht stehen bleiben, um zu filmen, wenn sich Menschen plötzlich bewegen. In einer chaotischen Menge zählt Abstand mehr als ein Video für Instagram, X und Co.

Welche Rolle spielen Flughäfen, Bahnhöfe und Rideshare-Zonen bei der WM 2026?

Eine sehr große. Verkehrsinfrastruktur ist bei solchen Veranstaltungen oft der verwundbarste Teil der Reise. Flughäfen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen, Busse, Straßen, Grenzübergänge und Rideshare-Zonen werden zu bestimmten Zeiten extrem belastet sein.

Nach Spielende wollen Zehntausende gleichzeitig weg. Genau dann entstehen Gedränge, lange Wartezeiten, Orientierungslosigkeit und entsprechender Frust. Vor allem, wenn meine Mannschaft das Spiel gerade verloren hat. Für Kriminelle sind solche Übergangsmomente attraktiv: Menschen sind müde, möglicherweise alkoholisiert, emotional, abgelenkt, haben ihr Handy in der Hand und achten weniger auf Taschen, Geldbörsen oder Dokumente.

Fans sollten deshalb Puffer einplanen, außerdem Offline-Karten speichern, sollte das Mobilfunknetz überlastet sein, und Hoteladresse sowie Notfallkontakte lokal auf dem Handy sichern. Schließlich empfiehlt sich eine Powerbank und Infos zu Alternativrouten.

Wie groß ist das Risiko durch Kriminalität und Betrug während der FIFA WM 2026?

Es ist realistisch, mit einem Anstieg opportunistischer Kriminalität zu rechnen. Große Sportevents ziehen nicht nur Fans an, sondern auch organisierte Diebesgruppen, Betrüger und Cyberkriminelle. Besonders häufig sind Handy- und Taschendiebstahl, gefälschte Tickets und Fanartikel, Kreditkartenbetrug, manipulierte Geldautomaten und Betrug bei Fahrdiensten.

Ein unterschätzter Punkt ist das Smartphone. Wer sein Handy verliert, verliert heute nicht nur ein Gerät. Er verliert möglicherweise Ticket, Zahlungsmittel, Navigation, Hotelbuchung, Übersetzungs-App, Kontakte und Zugang zu wichtigen Accounts. Deshalb sollten Fans ihr Handy sichern, Back-ups machen, starke Sperrcodes nutzen und wichtige Informationen zusätzlich offline verfügbar haben.

Es schadet nie, wichtige Dokumente wie Tickets, Hoteladressen, Stadionplan und Ähnliches auszudrucken oder sich im Hotel an der Rezeption einen Stadtplan auf Papier mitzunehmen, um bei Verlust des Mobiltelefons handlungsfähig zu bleiben. Ich selbst nehme auf Reisen immer ein zweites einfaches Handy zum Telefonieren mit, in dem natürlich meine Kontakte aktualisiert sind.

Welche Cyberrisiken betreffen Fußballfans bei der WM 2026?

Die WM ist auch ein digitales Großereignis. Tickets, Bezahlung, Hotelbuchung, Anreise, Apps, QR-Codes, WLAN und Social Media laufen digital. Genau das nutzen Kriminelle aus.

Fans sollten mit gefälschten FIFA-Shops, Fake-Ticketseiten, Phishing-Mails, SMS-Betrug, manipulierten QR-Codes und falschen WLAN-Netzen rechnen. Besonders gefährlich sind Angebote, die zeitlich Druck machen: „Letzte Tickets“, „Sonderpreis“, „Sofort bestätigen“, „Account verifizieren“. Hier sollte sich niemand von der Vorfreude oder im Stress zum Klicken verleiten lassen.

Die wichtigste Regel lautet: Nur offizielle Quellen nutzen, keine sensiblen Daten wie Kreditkartennummern über öffentliches WLAN eingeben, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und bei Tickets, Unterkünften und Transfers lieber einmal mehr prüfen, ob es sie wirklich gibt.

Können Desinformation und Social Media selbst zum Sicherheitsrisiko werden?

Ja. Bei großen Menschenmengen kann ein falsches Gerücht sehr schnell reale Folgen haben. Ein angeblicher Schuss, eine vermeintliche Explosion, ein falsch verstandener Polizeieinsatz oder ein virales Video aus einer anderen Stadt können Panik auslösen.

Fans sollten in solchen Momenten nicht reflexartig Posts teilen oder Gerüchten folgen. Wichtiger ist die konkrete Umgebung: Wie verhalten sich Menschen um mich herum? Was machen Sicherheitskräfte? Gibt es offizielle Durchsagen? Kann ich den Bereich ruhig verlassen? Social Media kann helfen, aber während einer laufenden Lage kann es auch beschleunigen, verunsichern und gefährliche Bewegungen bis hin zu Massenpaniken mit Verletzten und möglicherweise Toten auslösen.

Wie sollten sich Fans in Ausgehvierteln nach dem Spiel verhalten?

Nach dem Spiel steigt das Risiko häufig. Alkohol, Emotionen, Müdigkeit, Rivalitäten und volle Straßen sind eine schwierige Kombination. Viele Vorfälle passieren nicht während des Spiels, sondern später: in Bars, auf Wegen zurück ins Hotel, an Taxi- oder Rideshare-Punkten oder in dunkleren Nebenstraßen.

Fans sollten in Gruppen bleiben, Rideshares prüfen, keine Wertsachen offen zeigen, Streit vermeiden und früh gehen, wenn die Stimmung kippt. Der beste Moment zu gehen ist oft, bevor es offensichtlich gefährlich wird.

Was sollten Familien mit Kindern vor einer Reise zur FIFA WM 2026 planen?

Familien sollten einfache Notfallabsprachen treffen. Wo treffen wir uns, wenn wir getrennt werden? Wen sprechen Kinder an? Was passiert, wenn das Handy nicht funktioniert? Haben alle Hotelname und Telefonnummer dabei? Gibt es aktuelle Fotos der Kinder auf dem Handy, sollten diese verloren gehen und eine Suche nötig sein? Ebenfalls hilfreich sind Notfallkarten mit wichtigen Infos auf Englisch oder Spanisch zu Allergien, Krankheiten und Kontaktpersonen, sollte die Person sich selbst nicht mehr äußern können.

Das klingt banal, hilft aber enorm. In Menschenmengen funktioniert Kommunikation oft schlechter als erwartet. Ein klarer Treffpunkt, auffällige Kleidung, digital gespeicherte und auf Zettel notierte Notfallnummern und einfache Regeln reduzieren Panik. Nicht zuletzt empfiehlt sich eine Basic-Erste-Hilfe-Tasche mit Pflasterstreifen (keine Schere im Stadion!) und Co.

Welche Sicherheitsunterschiede gibt es zwischen USA, Kanada und Mexiko?

Die Länder unterscheiden sich deutlich. Kanada dürfte für viele Fans vergleichsweise gut planbar sein, wobei auch dort Taschendiebstahl, überfüllte Fan-Zonen und digitale Betrugsversuche relevant bleiben.

In den USA sind die austragenden Städte sehr unterschiedlich. In Metropolen wie New York, Los Angeles oder Miami spielen Diebstahl, Kriminalität, Proteste, Verkehr, politische Spannungen und Soft-Target-Risiken eine größere Rolle. Zusätzlich fallen einzelne Spiele in zeitliche Nähe zu großen Feiertagen mit entsprechenden Reisebewegungen.

Mexiko ist aus Reisesicherheitsperspektive anspruchsvoller. Dort müssen Fans stärker auf lokale Kriminalitätslagen, sichere Transportoptionen, Stadtteile, nächtliche Heimwege und auf organisierte Kriminalität oder Proteste achten. Das heißt nicht, dass man nicht reisen sollte. Es heißt, dass man besser vorbereitet reisen sollte.

Was sollten deutsche Fußballfans bei der Einreise in die USA beachten?

Deutsche Fans sollten die Einreise in die USA nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wer visumfrei reist, braucht in der Regel eine gültige ESTA-Genehmigung, einen passenden Reisepass und sollte bei der Einreise klar erklären können, warum er in die USA kommt, wo er übernachtet und wann er wieder ausreist.

Wichtig ist auch das eigene Auftreten. Politische Diskussionen mit Grenzbeamten sind keine gute Idee. Das gilt besonders für Fans aus politisch aktiven Fanszenen. Wer sich bei der Einreise provokativ antiamerikanisch, ausdrücklich Anti-Trump oder pro Antifa äußert, kann unnötige Probleme bekommen. Das muss nicht bedeuten, dass jemand etwas Illegales getan hat. Es kann aber Rückfragen auslösen, die Einreise verzögern oder die Kontrolle verschärfen.

Fans sollten außerdem wissen, dass elektronische Geräte bei der Einreise kontrolliert werden können. Deshalb empfiehlt es sich, vor der Reise das eigene Smartphone aufzuräumen. Gemeint sind vor allem öffentlich sichtbare Posts, gespeicherte Memes, Chatverläufe oder Bilder, die als Gewaltverherrlichung, Extremismus, Unterstützung politischer Gewalt oder konkrete Drohung verstanden werden könnten.

Was ist Ihr wichtigster Rat an reisende Fußballfans?

Genießen Sie die WM, aber bleiben Sie flexibel. Planen Sie nicht nur das Spiel, sondern den ganzen Weg: Ankunft, Stadionroute, Rückweg, Treffpunkte, Alternativen, Handy-Akku, Offline-Daten und das Verhalten in Menschenmengen.

Sicherheit bedeutet nicht, ängstlich zu reisen. Sicherheit bedeutet, Optionen zu haben. Wer vorbereitet ist, bleibt ruhiger, erkennt Veränderungen früher und trifft bessere Entscheidungen. 

Was bietet AKE | SKABE in solchen Fällen an Unterstützung?

AKE | SKABE unterstützt Reisende dabei, Fahrten zu Großereignissen wie der FIFA WM 2026 sicher vorzubereiten und während der Reise handlungsfähig zu bleiben.

Dazu gehören Reisesicherheitskonzepte, die zur konkreten Reise passen: Wer reist wohin, mit welchem Profil, zu welchen Spielorten und mit welchen Abhängigkeiten? Daraus lassen sich praktische Maßnahmen ableiten, zum Beispiel sichere Routen, geeignete Unterkünfte, Treffpunkte, Kommunikationswege und Verhaltensregeln für unübersichtliche Situationen.

Belastbare Informationen bietet unter anderem die Travel-Risk-App von AKE | SKABE, die zum eigenen Standort aktuelle Informationen, Warnmeldungen in Echtzeit und Handlungsempfehlungen bereitstellt. So können Sie Lageveränderungen früh erkennen. Bei Bedarf kann auch Tracking eingesetzt werden, damit jederzeit bekannt ist, wo sich unsere Kundinnen und Kunden befinden und ob sie Unterstützung benötigen.

Wichtig ist außerdem die Erreichbarkeit im Ernstfall. Über eine 24/7-Service-Notfallnummer können Reisende deutschsprachige Unterstützung bekommen, wenn sich vor Ort etwas verändert: bei Sicherheitsvorfällen, medizinischen Notfällen, Reiseunterbrechungen, verlorenen Dokumenten oder wenn eine schnelle Lageeinschätzung gebraucht wird.

Kontakt

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In Notfällen oder bei dringenden Fragen erreichen Sie uns jederzeit telefonisch unter +49 (0) 2173 265 42 35.

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