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Analyse

Krieg gegen den Iran

Seit dem frühen Morgen des 28. Februar 2026 greifen Israel und die USA den Iran an. Wie lange die Kampagne dauert, ist offen – die politischen Ziele sind es weniger: Zerstörung von Nuklear- und Raketenprogramm, Druck auf die Führung und die Hoffnung auf einen Regimesturz. Prof. Dr. Carlo Masala analysiert exklusiv für AKE | SKABE die Dynamik in 6 Thesen – von Verhandlungen als Instrument bis zu den Risiken für Europa.

Portrait
Prof. Dr. Carlo Masala
Wissenschaftlicher Berater

Prof. Dr. Carlo Masala ist Experte für Sicherheits- und Verteidigungspolitik und leitet an der Universität der Bundeswehr München u. a. das Center for Intelligence and Security Studies (CISS). AKE | SKABE unterstützt er als wissenschaftlicher Berater und veröffentlicht u. a. exklusive Beiträge zu sicherheitspolitischen und geostrategischen Themen.

Krieg gegen den Iran

Seit dem frühen Morgen des 28. Februar 2026 greifen Israel und die USA den Iran an. Zum Zeitpunkt, an dem dieser Beitrag geschrieben wird, ist es noch nicht klar, wie lange diese Kampagne dauern wird. Dennoch werden im Folgenden einige Thesen zu dieser militärischen Aktion formuliert, die sich aus den Entwicklungen der letzten Wochen und aus militärischen Kampagnen, die in der Vergangenheit ähnlich angelegt waren, ableiten lassen.

These 1: Die US-Administration nutzt Verhandlungen nicht als Instrument der politischen Konfliktlösung, sondern zur Vorbereitung militärischer Aktionen.

Noch am 27. Februar wurde den USA seitens omanischer Vermittler die Nachricht übermittelt, dass der Iran bereit sei, sein Anreicherungsprogramm vollumfänglich einzustellen sowie die Inspekteure der IAEO (der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergiebehörde) erneut ins Land und sie ohne Auflagen iranische Nuklearanlagen kontrollieren zu lassen. Natürlich weiß niemand, ob die Iraner dieses Angebot ernsthaft unterbreitet haben oder nur Zeit schinden wollten.

Es lag jedoch zunächst auf den Tisch, und es wurden auch vonseiten der USA weitere Gespräche zwischen den Parteien angekündigt. Aber offensichtlich war es nicht das Ziel der USA, an diesen Gesprächen festzuhalten. Die Tatsache, dass es sich bei der ersten Welle der Angriffe um ein koordiniertes Vorgehen zwischen Israel und den USA gehandelt hat, lässt eher vermuten, dass der Zeitpunkt des Angriffes schon lange (Tage) vorher klar und abgesprochen war.

These 2: Es handelt sich um eine vollumfängliche militärische Aktion, in deren Zentrum die Enthauptung der iranischen Staats- und Militärführung steht.

In einer im Vorfeld aufgenommenen Ansprache, die am frühen Morgen des 27. Februars auf Social Media ausgespielt wurde, benennt Trump die Ziele des militärischen Vorgehens. Er spricht davon, das Nuklearprogramm zu zerstören, das Raketenprogramm zu vernichten sowie die politische, religiöse und militärische Führung des Irans zu eliminieren. Alles in allem vollumfängliche Ziele. Aber er hielt sich in dieser Ansprache auch eine Hintertür offen. Denn er sagte dem iranischen Volk auch, dass es nun die Chance hätte, das Regime zu stürzen. Eine Chance, die es in den nächsten Jahrzehnten nicht erneut bekommen würde.

Damit ist ein weiteres Ziel, einen Regime-Change zu forcieren. Allerdings ist auszuschließen, dass dieser Regime-Change mit US- und/oder israelischen Bodentruppen erfolgen wird. Trump hat keinerlei Interesse, die aus seiner Sicht desaströse Regime-Change-Politik seiner Vorgänger zu wiederholen und sich in „endlose“ Kriege verwickeln zu lassen. Nun wissen wir aus der Geschichte, dass die Chancen für einen Regimesturz ausschließlich durch den Einsatz von Luftschlägen und Raketenangriffen eher gering sind. In der Regel braucht man Kräfte am Boden, die dann die Situation nutzen, um ein Regime tatsächlich zu stürzen. Ob es diese Kräfte gibt, die eigentlich auch bewaffnet sein müssten, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, ob die USA und/oder Israel einen Deal mit Regimekräften haben, dass diese den Sturz der herrschenden Elite gewissermaßen von innen herbeiführen (wie dies in Venezuela geschehen ist). Daher kann es sein, dass dieses Ziel am Ende nicht erreicht wird.

These 3: Die regionalen Implikationen sind gegeben, aber eher begrenzt.

Dass der Iran auf einen Angriff mit einer horizontalen Eskalation regieren wird, war abzusehen und ist auch erfolgt. So wurden Israel sowie amerikanische Basen in der gesamten Region angegriffen, allerdings (noch?) in einem sehr begrenzten Umfang. Was zum Zeitpunkt der Abfassung unklar ist, ist, in welchem Maße die iranischen Proxys in diesen Konflikt eingreifen werden.

Während sich die Huthi im Jemen schon in Stellung bringen und den Beschuss der Schifffahrt im Roten Meer angedroht haben, die irakischen Milizen den Stützpunkt Erbil im Irak angegriffen haben sowie die Hisbollah Raketenangriffe gegen Israel begonnen hat, wissen wir noch nicht, inwieweit diese Akteure das Potenzial zu einer größeren horizontalen Aktion haben.

Israel hat durch Anschläge gegen führende Hisbollah-Mitglieder eine Strategie des preparing the battlefield betrieben, um die Möglichkeiten der Hisbollah, gegen Israel zurückzuschlagen, noch weiter zu limitieren. Während ich die Möglichkeit iranischer Verbündeter, dem Iran zu Hilfe zu eilen, also als eher begrenzt ansehe, darf die Anzahl der iranischen Kurzstreckenraketen durchaus als eine große Gefahr betrachtet werden. Zwar hat Israel im 12-Tage-Krieg die Möglichkeit des Irans, ballistische Raketen mit einer Reichweite bis zu 3.000 Kilometern zum Einsatz zu bringen, erheblich eingeschränkt, aber das Kurzstreckenarsenal (bis zu 1.000 Kilometer – und rein technisch gesehen sind alle über 500 Kilometer keine Kurzstreckenraketen mehr) ist noch vorhanden. Diese (relativ präzisen) Raketen, wenn sie in Masse abgeschossen werden, sind durchaus in der Lage, auch die sehr gute israelische Luftverteidigung zu sättigen. Und da sie auch relativ präzise sind, würden einige von ihnen Ziele auch treffen. Generell zielt die Strategie des Irans auf Übersättigung der Luftverteidigungen und ist insofern als Strategie der Abnutzung zu bezeichnen.

Was nicht einzuschätzen ist: Der Iran hat in der Vergangenheit immer wieder mit seinen Schläferzellen im Ausland gedroht, die Anschläge verüben können. Ob es diese gibt, wie viele es davon gibt, wo sie sind und wozu sie wirklich in der Lage sein könnten, weiß außer den Geheimdiensten wohl niemand. Der Iran hat folglich das Potenzial, zurückzuschlagen (und ich habe die Sperrung der Straße von Hormus sowie Angriffe auf saudische und kuwaitische Ölfelder außen vor gelassen), aber eher nicht so umfassend, wie viele es befürchten. Und ob das Regime dazu in der Lage ist, hängt auch von Frage ab, wie hart und erfolgreich die Luftkampagne Israels und der USA gegen den Iran in den ersten Tagen sein wird.

Was aber gerade abzusehen ist, ist, dass die vom Iran angegriffenen arabischen Staaten nicht auf eine schnelle Beendigung des Krieges drängen, sondern eher entschlossen sind, wenn nötig, aktiv in das Kriegsgeschehen einzugreifen. Hier hat sich der Iran in seiner auf Spaltung angelegten Strategie verschätzt.

These 4: Innerhalb der MAGA-Bewegung wurden die Restrainer und Isolationisten beiseitegeschoben.

Nach den Angriffen auf Venezuela, Nigeria, den Iran (Midnight Hammer) und Syrien ist klar, dass der Teil der MAGA-Bewegung, der darauf setzte, dass sich die USA unter Trump außenpolitisch eher zurückhalten werden oder mehr oder weniger aus der Welt zurückziehen, beiseitegeschoben wurde. Trump – und das haben viele Beobachter falsch eingeschätzt – ist dem Einsatz von militärischer Gewalt grundsätzlich nicht abgeneigt. Er will nur nicht in endlose Auseinandersetzungen verwickelt werden. Wenn die Perspektive ist, durch militärische Schläge schnelle Erfolge zu erzielen, dann ist er diesem Instrument der Außenpolitik durchaus zugeneigt.

These 5: Is it the economy, stupid?

Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Börsen auf diesen Angriff reagieren. Denn ein Schock könnte dazu führen, dass Trump sehr schnell seine Ziele für erreicht erklärt und die Operation beendet. Dies würde die USA jedoch in einen direkten politischen Konflikt mit Israel führen, welches fest dazu entschlossen ist, die Bedingungen für einen iranischen Regime-Change von innen herzustellen. So, watch this space.

These 6: Schwächung Russlands und Chinas. Trotzdem keine gute Nachricht für Europa.

Sollte die jetzt begonnene Operation zum Erfolg führen, würde damit auch eine weitere Schwächung Russlands und diesmal auch Chinas einhergehen. Denn beide würden ihren wichtigsten Verbündeten im Persischen Golf sowie im Mittleren und Nahen Osten verlieren. Sie würden zwar weiterhin ökonomischen Einfluss in der Region haben, aber militärisch würde ein Teil der CRINK-Achse (China, Russland, Iran und Nordkorea) rausfallen.

Für Europa und die Ukraine ist das nicht unbedingt eine gute Nachricht. Da Russland in seinem globalen Einfluss weiter geschwächt ist, ist zu erwarten, dass es in Europa und der Ukraine noch entschlossener, aggressiver und risikofreudiger auftritt.

Geschrieben am 2. März 2026

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