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Geschäft trifft Geopolitik

Hinweis: Dieser Beitrag erschien erstmals in der deutschen Länderausgabe des Business Traveller von Januar/Februar 2026 sowie am 7. Januar 2026 im Onlineportal des Business Traveller.

Noch nie hatten geopolitische Konflikte so großen Einfluss auf Businessreisen. Experten liefern Strategien, die Sicherheit gewährleisten.

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Susanne Freitag
Freie Journalistin

Susanne Freitag ist freie Journalistin für touristische Fachzeitschriften, Reisemagazine und den Business Traveller.

Geschäft trifft Geopolitik

Naturkatastrophen, Kriege, Wirtschafts-Sanktionen – geopolitische Spannungen prägen Geschäftsreisen heute stärker denn je. Nationale Zugehörigkeit, politische Entwicklungen und lokale Dynamiken können Risiken schnell verschärfen. Die größten geopolitischen Risiken für Geschäftsreisende lassen sich aber nicht leicht benennen. „Das ist ein strategisches Thema“, weiß Friedrich Christian Haas, Geschäftsführer des Sicherheitsdienstleisters AKE | SKABE. Er und sein Team entwickeln ganzheitliche Global-Risk-Konzepte für Unternehmen, NGOs und Medienvertreter. Häufig hänge vieles davon ab, welche Pläne ein Unternehmen verfolge. „Wie viele Produktionen halten wir noch in China? Oder verlagern wir in andere Länder?“, so Haas. Aus solchen Entscheidungen könnten neue Risiken entstehen.

Ein Beispiel dafür, wie geopolitische Konflikte einzelne Geschäftsreisende konkret betreffen können, liefert die Verhaftung der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou 2018 in Kanada – und die Festnahme zweier kanadischer Staatsbürger als Vergeltungsmaßnahme in China. Unternehmen müssten genau prüfen, welche Mitarbeitenden sie in welches Land entsenden und ob politische Spannungen dabei ein Risiko darstellen könnten. „Allein die Nationalität eines Reisenden kann ein Risiko darstellen“, betont Haas. Im Krisenfall, wenn Mitarbeitende ein Land schnell verlassen müssen, könnten mehrfache Staatsbürgerschaften oder problematische Visa-Situationen zu Verzögerungen führen. Auch Faktoren wie Religionszugehörigkeit oder gesellschaftlicher Rassismus könnten Reisende gefährden. Hinzu kommen historisch gewachsene Konflikte – etwa im Mittleren Osten –, deren Auswirkungen auf Geschäftsreisen Unternehmen genau analysieren müssen.

Politische Dynamiken verstehen

Haas zitiert einen Mittelständler: „Wir haben eigene Lobbybüros in Berlin und Brüssel. Aber in Ländern wie Brasilien, Indien und China, wo wir über 50 Prozent unseres Umsatzes machen, weiß keiner bei uns, wie das politische System funktioniert.“ Früher sei man davon ausgegangen, dass Regierungen wirtschaftliche Stabilität nicht gefährden. „Heute erleben wir jedoch, dass Länder Entscheidungen treffen können, die Geschäftsmodelle bedrohen oder sogar zerstören.“

Für Dienstreisende gelte: „Das Worst-Case-Szenario ist die Evakuierung“, so Haas. Bei politischen Eskalationen würden Regierungsgebäude, Flughafen und Rundfunkstationen meist zuerst besetzt. Deshalb empfiehlt er Reisenden, sich frühzeitig in sichere Distanz zu begeben und auf Ausreisemöglichkeiten zu warten. In Krisengebieten sollte ein solches „Safe House“ Teil des Sicherheitskonzepts jeder Reise sein. Ein Beispiel aus Burkina Faso zeigt, wie wichtig dies ist: Ein Kunde konnte zusammen mit einem französischen Kollegen während eines Militärputsches in einer vorher festgelegten Unterkunft außerhalb der Hauptstadt ausharren, bis beide mit Unterstützung der französischen Regierung ausgeflogen wurden.

Um solche Situationen zu vermeiden, brauchten Unternehmen und Reisende eine kontinuierliche Beobachtung der Lage. Große Konzerne können geopolitische Analysen intern abbilden; im Mittelstand lastet diese Aufgaben oft auf einzelnen Mitarbeitenden – manchmal ohne zentrale Reisestelle. „Wir versuchen klarzumachen, dass es sinnvoll ist, rechtzeitig Lösungen zu entwickeln“, so Haas. Dazu zählen klare Reiserichtlinien und Kriterien, ab wann Reisen aufgrund geopolitischer Entwicklungen abgesagt werden müssen. Frühindikatoren und mögliche Konsequenzen sollten stets im Voraus durchdacht sein.

Mit lokaler Expertise weltweit sicherer unterwegs

Die Informationen des Auswärtigen Amts reichten laut Haas für strategische Reisesicherheitsentscheidungen nicht aus. Es brauche spezialisierte, belastbare Quellen. Technische Monitoring-Plattformen wie Safeture oder A3M helfen Unternehmen, Geschäftsreisende zu verfolgen und Warnsignale früh zu erkennen. Die Nachfrage sei stark gestiegen, berichtet Marcel Brandt, Chief Sales Officer von Safeture. Die Safeture-App bietet Funktionen wie einen SOS-Button, Push-Benachrichtigungen zu Sicherheitsereignissen oder die automatische Erfassung von Reiseplänen. Als Basis seien solche Systeme hilfreich, erklärt Haas. Doch nicht immer könnten Reisende die Warnmeldungen interpretieren. „Dafür braucht es Experten, die Situationen einschätzen und frühe Eskalationssignale erkennen“, sagt er. Sie müssen komplexe Lagen so aufbereiten, dass Vorstände sie sofort verstehen und darauf vertrauen.

In Krisengebieten sei lokale Expertise unersetzlich, betont Haas. „Unser Ansatz ist, dass wir klein und agil bleiben, aber konsequent in bewährten Netzwerken arbeiten.“ Netzwerken bedeute, langfristige Beziehungen aufzubauen. Das sei entscheidend bei Evakuierungen. Rund 500 Menschen hat sein Team etwa durch die Unterstützung Einheimischer aus Afghanistan evakuiert. Besonders wertvoll seien Kontakte zu Logistikfirmen, deren Fahrer Checkpoints, Straßenverhältnisse und lokale Dynamiken genau kennen.

Technologie nutzen, Kompetenz stärken

In Situationen, die schnelles Handeln erfordern, brauche es klare Prokura-Regelungen und eingeübte Abläufe. Auch Datenschutzbeauftragte müssten erreichbar sein, um im Ernstfall eine Ferndatenlöschung einzuleiten, etwa wenn Reisende, die sensible Daten mitführen, festgesetzt werden.

Für echte Krisenresilienz benötige ein Unternehmen Agilität, Flexibilität, Netzwerkkompetenz sowie schnelle und interkulturell fundierte Entscheidungen. Künstliche Intelligenz helfe dabei nur begrenzt. „KI erkennt Muster, aber nicht die Launen politischer Führer. Sie kann deren spontane Entscheidungen nicht vorhersagen.“ Auch kulturelle Besonderheiten oder implizite Bedeutungen in Medien und Sprache blieben für KI schwer greifbar. Menschen mit Länderkenntnissen seien unverzichtbar – sowohl für die richtigen Prompts als auch für die richtige Interpretation von KI-Ergebnissen.

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