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Global-Risk-Manager: Ein neues Berufsbild für eine neue Risikowelt

Globale Risiken betreffen längst nicht mehr nur einzelne Fachbereiche. Geopolitische Krisen wirken sich auf Lieferketten aus, Sicherheitsrisiken betreffen Mitarbeitende und Standorte, Wirtschaftsspionage gefährdet Know-how. Global-Risk-Managerinnen und -Manager behalten diese Zusammenhänge im Blick. Doch was genau ist ihre Aufgabe im Unternehmen und welche Kompetenzen brauchen sie? Das erfahren Sie hier.

Global-Risk-Manager: Ein neues Berufsbild für eine neue Risikowelt

Niedrigwasser unterbricht Lieferketten. Eine politische Krise gefährdet einen wichtigen Produktionsstandort. Mitarbeitende reisen in Regionen, deren Sicherheitslage sich kurzfristig verändert. Ein vermeintlicher Geschäftskontakt interessiert sich auffällig genau für Technologien und interne Abläufe.

Globale Risiken können Unternehmen auf sehr unterschiedliche Weise treffen. Häufig betreffen sie mehrere Bereiche gleichzeitig. Einkauf, Personalabteilung, Unternehmenssicherheit, Geschäftsführung oder Compliance verfügen jeweils über einen Teil der notwendigen Informationen. Doch wer führt sie zusammen? Wer erkennt Wechselwirkungen? Wer bewertet, was aus einer Entwicklung für das Unternehmen entstehen könnte? Und wer sorgt dafür, dass gehandelt wird, bevor aus einem Risiko eine Krise wird?

Hier setzt das Berufsbild des Global-Risk-Managers an.

Wer ist zuständig, wenn globale Risiken das Unternehmen erreichen?

Diese Frage sollte im Bestfall schon vor der Krise beantwortet werden – die Realität sieht jedoch oft anders aus.

Beispiel 1: Unterbrochene Lieferkette

Nehmen wir das Niedrigwasser auf dem Rhein: Sinkende Pegelstände können dazu führen, dass Schiffe weniger Ladung transportieren können. Rohstoffe und Vorprodukte erreichen Unternehmen später oder nur in geringeren Mengen. Transportkosten steigen, Produktionsabläufe geraten unter Druck.

Für den Einkauf ist das ein Beschaffungsproblem. Für die Logistik ein Transportproblem. Für die Produktion möglicherweise ein Kapazitätsproblem. Für die Geschäftsführung kann daraus ein strategisches Risiko entstehen.

Oft gibt es niemanden, der die gesamte Entwicklung betrachtet.

Beispiel 2: Geopolitische Krise

Ähnlich sieht es bei einer geopolitischen Krise aus. Sie kann Geschäftsreisen beeinflussen, einen Produktionsstandort gefährden, Lieferanten betreffen, neue regulatorische Anforderungen auslösen oder die Sicherheitslage für Mitarbeitende verändern.

Beispiel 3: Wirtschaftsspionage

Oder beim Wirtschaftsschutz: Ein neuer Kontakt scheint zunächst lediglich geschäftliches Interesse zu haben. Erst aus weiteren Informationen und ungewöhnlichen Fragen ergibt sich möglicherweise ein anderes Bild. Werden entsprechende Signale nicht erkannt und zusammengeführt, kann eine Bedrohung durch Wirtschaftsspionage lange unbemerkt bleiben.

Die Beispiele unterscheiden sich erheblich. Sie haben jedoch etwas gemeinsam: Risiken halten sich nicht an Abteilungsgrenzen.

Genau deshalb braucht es eine Funktion im Unternehmen, die den Blick auf das Gesamtbild richtet.

Was macht ein Global-Risk-Manager?

Global-Risk-Manager übernehmen eine koordinierende, steuernde und beratende Rolle. Sie beobachten Entwicklungen, identifizieren Risiken für das Unternehmen und bewerten deren mögliche Auswirkungen.

Dabei geht es nicht darum, für jedes Risiko selbst Spezialist zu sein: Ein Global-Risk-Manager muss einen Cyberangriff nicht technisch abwehren und auch nicht persönlich alternative Transportwege organisieren. Seine Aufgabe besteht darin, relevante Risiken zu erkennen, Informationen zu beschaffen und zu bewerten, Zusammenhänge herzustellen und die richtigen Stellen einzubeziehen.

Er oder sie sollte Fragen beantworten können wie:

  • Welche Entwicklungen könnten unser Unternehmen betreffen?
  • Wie wahrscheinlich ist ein bestimmtes Szenario?
  • Wie groß könnte der Schaden sein?
  • Welche Bereiche des Unternehmens wären betroffen?
  • Welche Informationen fehlen für eine belastbare Einschätzung?
  • Welche Maßnahmen können das Risiko reduzieren?
  • Wer muss innerhalb und außerhalb des Unternehmens eingebunden werden?
  • Wann muss die Geschäftsführung informiert werden?
  • Wann wird aus einem Risiko eine Situation, die Krisenmanagement erfordert?

Damit wird Global-Risk-Management zu einer Schnittstellenfunktion zwischen Analyse und unternehmerischer Entscheidung.

Vom Niedrigwasser bis zur Wirtschaftsspionage: Globale Risiken im Unternehmensalltag

Globale Risiken müssen nicht spektakulär beginnen. Häufig entwickeln sie sich schrittweise.

Ein Global-Risk-Manager könnte beispielsweise beobachten, dass sich politische Spannungen in einem Land verschärfen, in dem ein wichtiger Lieferant sitzt. Zunächst läuft die Produktion weiter. Dennoch stellt sich frühzeitig die Frage, welche Szenarien denkbar sind und welche Folgen Sanktionen, Unruhen, Grenzschließungen oder Transportprobleme für das eigene Unternehmen hätten.

Auch eine Geschäftsreise kann eine solche Bewertung erforderlich machen. Relevante Fragen sind:

  • Wie stabil ist die Sicherheitslage?
  • Welche Regionen können bereist werden?
  • Welche medizinische Versorgung ist verfügbar?
  • Welche Unterkunft ist geeignet?
  • Wie können Mitarbeitende erreicht werden?
  • Und was geschieht, wenn sich die Situation während der Reise verändert?

Beim Wirtschaftsschutz wiederum können andere Informationsquellen entscheidend sein:

  • Welche Akteure interessieren sich für das Unternehmen?
  • Welche Informationen über Mitarbeitende, Technologien oder Projekte sind öffentlich zugänglich?
  • Gibt es ungewöhnliche Kontaktversuche oder Anfragen?

Global-Risk-Management verbindet diese unterschiedlichen Fragestellungen mit einer zentralen Frage: Was bedeutet diese Entwicklung für unser Unternehmen, und was müssen wir tun?

Risiken erkennen, bevor sie zur Krise werden

Eine wesentliche Aufgabe des Global-Risk-Managers ist deshalb die Früherkennung.

Dazu gehört ein systematisches Monitoring relevanter Entwicklungen. Welche Quellen dafür wichtig sind, hängt vom Unternehmen und seinem Risikoprofil ab. Nachrichten und öffentlich verfügbare Informationen können ebenso dazugehören wie Behördeninformationen, Fachquellen, Datenbanken, lokale Kontakte oder eigene Informationsnetzwerke.

Global-Risk-Manager müssen lernen, Quellen hinsichtlich ihrer Qualität und Aussagekraft zu bewerten und Informationen miteinander abzugleichen. Auch der Aufbau eines belastbaren Quellen- und Informantennetzwerks kann dabei eine wichtige Rolle spielen.

Aus Informationen allein entsteht allerdings noch kein Risikomanagement. Erst wenn eine Entwicklung hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit, möglichen Schadenshöhe und Bedeutung für das eigene Unternehmen bewertet wird, entsteht eine Grundlage für Entscheidungen. Risk Assessments gehören deshalb zu den zentralen Instrumenten des Global-Risk-Managements.

Welche Aufgaben übernimmt ein Global-Risk-Manager?

Das konkrete Aufgabengebiet hängt von Größe, Branche, internationaler Ausrichtung und Risikoprofil eines Unternehmens ab. Zu den möglichen Aufgaben gehören unter anderem:

  • globale und geopolitische Entwicklungen beobachten und strategisch einordnen
  • Risiken für Unternehmen, Standorte, Mitarbeitende und Lieferketten identifizieren
  • Informationen aus unterschiedlichen Quellen beschaffen, prüfen und bewerten
  • ein Quellen- und Informantennetzwerk aufbauen und pflegen
  • Risk Assessments durchführen
  • Frühwarnindikatoren und Eskalationswege entwickeln
  • Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenspotenzial bewerten
  • Geschäftsführung und Fachbereiche beraten
  • Maßnahmen zur Risikobehandlung entwickeln und koordinieren
  • Risikomanagementsysteme aufbauen und weiterentwickeln
  • Reisesicherheit und Duty of Care berücksichtigen
  • Krisenmanagement und Business Continuity Management vorbereiten
  • bei Bedarf Krisenstäbe und operative Maßnahmen unterstützen
  • Erkenntnisse dokumentieren, kommunizieren und in strategische Entscheidungen einbringen

Damit entsteht eine Funktion, die Risiken systematisch zusammenführt und Zuständigkeiten schafft.

Wo ist Global-Risk-Management im Unternehmen angesiedelt?

Eine allgemeingültige organisatorische Lösung gibt es nicht. In einem großen Konzern kann Global-Risk-Management anders aufgebaut sein als in einem international tätigen Mittelstandsunternehmen.

Entscheidend ist weniger die Position im Organigramm als die Möglichkeit, relevante Informationen zu erhalten, verschiedene Unternehmensbereiche einzubeziehen und Entscheidungsträger zu beraten.

In dieser Hinsicht lässt sich die Funktion anschaulich mit der eines Datenschutzbeauftragten vergleichen: Auch dort gibt es eine klar erkennbare Anlaufstelle für ein Thema, das zahlreiche Bereiche des Unternehmens betrifft.

Global-Risk-Managerinnen und -Manager sollten insbesondere die Geschäftsführung beraten und eng mit den jeweils relevanten Fachbereichen zusammenarbeiten. Dazu können beispielsweise HR, Einkauf, Corporate Security, Compliance, IT- und Informationssicherheit, Logistik, Kommunikation oder Business Continuity Management gehören.

Welche Bereiche eingebunden werden müssen, entscheidet das jeweilige Risiko.

Welche Kompetenzen braucht ein Global-Risk-Manager?

Wer globale Risiken beurteilen will, braucht zunächst die Fähigkeit, komplexe Entwicklungen zu verstehen und Informationen kritisch einzuordnen.

Geopolitisches Verständnis & analytisches Denken

Dazu gehört geopolitisches Verständnis ebenso wie analytisches Denken: Global-Risk-Managerinnen und -Manager müssen erkennen können, welche politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder sicherheitsrelevanten Entwicklungen für das eigene Unternehmen Bedeutung gewinnen könnten.

Risikomanagement

Gleichzeitig benötigen sie methodisches Wissen über Risikomanagement. Dazu gehören beispielsweise Risk Assessments, Risikokriterien, Eintrittswahrscheinlichkeiten, Schadenshöhen sowie Brutto-, Netto- und Restrisiken. Auch einschlägige Normen und Standards sowie deren Integration in ein Risikomanagementsystem sind Teil des fachlichen Instrumentariums.

Kommunikation

Eine weitere Schlüsselkompetenz ist Kommunikation. Eine komplexe geopolitische Analyse hilft der Geschäftsführung wenig, wenn daraus keine verständliche Einschätzung für das eigene Unternehmen entsteht.

Global-Risk-Manager müssen deshalb Informationen übersetzen können: von der Entwicklung zum Risiko, vom Risiko zur möglichen Auswirkung und von der Auswirkung zur Handlungsoption.

Ist Global-Risk-Manager bereits ein etablierter Beruf?

Global-Risk-Manager ist bislang kein klassischer Ausbildungsberuf mit einem einheitlich vorgeschriebenen Ausbildungs- oder Karriereweg – obwohl der Bedarf an den geschilderten Fähigkeiten immer größer wird.

AKE | SKABE versteht Global-Risk-Management deshalb als eigenständiges Berufsbild, dessen Bedeutung durch die zunehmende Vernetzung wirtschaftlicher, geopolitischer und sicherheitsrelevanter Risiken wächst.

Denn Unternehmen agieren heute in einem Umfeld, in dem politische Entscheidungen Lieferketten beeinflussen, Cyber- und Informationsrisiken mit geopolitischen Konflikten verbunden sein können und internationale Geschäftsaktivitäten neue Anforderungen an Reisesicherheit, Duty of Care und Krisenvorsorge stellen.

Damit wächst der Bedarf an Personen, die diese Entwicklungen nicht isoliert betrachten, sondern systematisch zusammenführen und für das Unternehmen bewerten können.

Für wen eignet sich Global-Risk-Management als Beruf?

Global-Risk-Management bietet unterschiedliche berufliche Zugänge:

Berufserfahrene aller Karrierestufen

Für Berufserfahrene aus Bereichen wie Risikomanagement, Corporate Security, Compliance, Einkauf, HR, Reisesicherheit, Krisenmanagement oder Business Continuity Management kann die Qualifikation das bestehende Tätigkeitsfeld erweitern.

Führungskräfte

Auch Führungskräfte und Verantwortliche in kleineren und mittleren Unternehmen können Global-Risk-Kompetenzen benötigen, wenn keine eigene Abteilung für diese Aufgaben vorhanden ist.

Absolventinnen und Absolventen

Interessant ist das Berufsfeld zugleich für Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen. Gerade Studiengänge wie Politik-, Geschichts-, Regional-, Sozial- oder andere Geisteswissenschaften vermitteln Kompetenzen, die im Global-Risk-Management gefragt sind: recherchieren, Quellen kritisch bewerten, komplexe Zusammenhänge analysieren, Entwicklungen historisch und politisch einordnen und daraus nachvollziehbare Schlussfolgerungen ziehen.

Für eine Tätigkeit im Unternehmen kommt eine weitere Ebene hinzu. Aus einer politischen Analyse muss eine Risikoeinschätzung werden. Aus einer möglichen Entwicklung müssen Szenarien entstehen. Und aus der Einschätzung müssen konkrete Handlungsoptionen für das Unternehmen abgeleitet werden.

Eine praxisorientierte Qualifikation im Global-Risk-Management kann diese Verbindung herstellen.

Wie wird man Global-Risk-Manager/-in?

Weil bislang kein festgelegter Ausbildungsweg existiert, führen unterschiedliche berufliche und akademische Hintergründe in das Global-Risk-Management.

Entscheidend ist die Kombination aus Analysekompetenz, methodischem Risikomanagement und praktischer Anwendung.

Die AKE Akademie vermittelt diese Kompetenzen in der Weiterbildung „Zertifizierte/-r Global-Risk-Manager/-in“. Die Teilnehmenden lernen Strukturen und Standards des professionellen Risikomanagements kennen und beschäftigen sich damit, wie sich globale Risiken erkennen, bewerten und strategisch einordnen lassen. Sie lernen relevante Informationsquellen und Risk Assessments kennen und befassen sich mit einschlägigen ISO-Normen und deren Integration in ein Risikomanagementsystem.

Weitere Bestandteile sind unter anderem geopolitisches Risikomanagement, Governance, Reisesicherheit und Duty of Care sowie OSINT.

Das Ziel des Lehrgangs ist es, globale Entwicklungen nicht erst dann wahrzunehmen, wenn sie das Unternehmen bereits unmittelbar treffen, sondern Risiken systematisch zu erkennen, zu bewerten und Handlungsoptionen vorzubereiten.

Weiterbildung zum zertifizierte/-n Global-Risk-Manager/-in

Die Weiterbildung der AKE Akademie verbindet wissenschaftliche Einordnung mit praktischer Erfahrung im internationalen Risiko- und Krisenmanagement.

Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die Teilnehmenden das Zertifikat „Zertifizierte/-r Global-Risk-Manager/-in“.

Globale Risiken werden sich nicht vermeiden lassen. Unternehmen können aber entscheiden, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

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